Verpasste Gelegenheit – das falsche Wort…

Heute morgen hatte ich eine Begegnung der besonderen Art.

Ich stieg in die Straßenbahn ein, ich liebe die Plätze im letzten Anhänger, weil man da so viel mehr sehen kann. Jedes mal, wenn ich durch den ganzen Wagen schaue, erlebe ich viele Geschichten ohne sie zu kennen. Schaue ich aus dem Fenster, so sehe ich ein Panorama von links nach rechts, wo Autos, Radfahrer und Menschen quirlich die Straße und Plätze besetzen.

Mir gegenüber saß also heute morgen ein junger Mann und daneben eine ältere Frau, die sich hin und wieder ein paar Wortfetzen zuriefen. Ich bin etwas schwerhörig und verstand nichts, darum gab ich mich meiner Freude hin, dem Treiben auf der Straße zuzuschauen. Hin und wieder schrak ich auf, weil meine beiden Nachbarn doch ein bisschen lauter wurden, noch lauter und sich dann sogar anschrieen. Die Frau stand dann auf und meinte, dass sie jetzt aussteigen müsse. Der junge Mann knurrte nun laut und deutlich: „Ja, hau ab, hau endlich ab!“ Sie winkte kurz grüßend mit der Hand und stieg aus.

„Wer war das denn,“ fragte ich nun neugierig geworden.

„Ach, nur meine Mutter!“, antwortete er. Das erschütterte mich so sehr, dass mir herausrutschte: „Stellen Sie sich doch mal vor, Ihre Mutter kriegt jetzt einen Herzschlag oder ein Auto überfährt sie, weil sie vor lauter Weinen nichts mehr erkennen kann und Sie werden sie nie wieder sehen!“ – „Oh, Gott, Scheiße, Scheiße,“ brüllte er und wartete kaum ab, bis sich die Tür der Bahn wieder für die nächste Station geöffnet hatte und dann lief er zurück, vermutlich zur vorhergehenden Haltestelle, wo seine Mutter ausgestiegen war.

Hoffentlich hat er sie noch eingeholt…

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