Die Bank für Vater und Sohn

Vor unserem Haus stand eine alte schöne Buche.

Wir wussten, es würde nicht mehr lange dauern, dann müsste der sehr gerade und schrecklich exakte Weg zum Hause verschwinden, damit sich die alte Buche weiter breit machen könnte, mit ihren wunderbaren Ästen ,vor allem aber mit ihren mächtigen Wurzeln.

Das tat sie auch und wir veränderten den Weg und setzten am Ende eine schöne einfache Bank um den Baum. Bank und Baum sitzen sehr nahe am Bürgersteig und so mussten die Leute buchstäblich ganz dicht an der Bank vorbeigehen und wenn möglich, sich auch hinsetzen.

Das taten sie aber nicht trotz der Tatsache, dass man von der Ortsmitte in den Wald einen steilen Weg gehen musste und sich nirgendwo sonst ausruhen konnte.

Also malte ich ein Schild und schrieb darauf:


Zum Sitzen ist hier eine Bank,

der Mensch denkt sich,“ ach Gott sei Dank.

Den Weg hier in den Wald zu laufen,

verdient noch einmal auszuschnaufen.“

Drum setz Dich hin und ruh Dich aus,

Du sitzt vor keinem fremden Haus.

Und siehe, es kamen die Menschen und Menschlein und setzten sich endlich auf die Bank.Als dann auch noch Schüler von der nahen Schule kamen, um hier Klönschnack zu halten oder die Zigarette zu rauchen, unkten unsere Nachbarn und Freunde, dass wir bald schon eine Müllhalde vor der Tür haben würden.

Ein einziges Mal in über 30 Jahren stand für genau 2 Stunden ein Milchkarton mit Strohhalm auf der Bank. Und danach war er genauso verschwunden wie die Zigarettenstummeln am Boden.

Manchmal am Samstag, meist aber sonntags, kam ein junger Vater mit seinem kleinen Babysohn auf dem Arm und setzte sich auf die Bank. Er holte seine Milchflasche aus der Jackentasche und fütterte den Kleinen. Ich war jedes mal völlig begeistert und meine Familie ebenso.

Wir haben die beiden eine wunderbare Zeit begleitet beim Erwachsen werden des Kleinen, der mittlerweile Hosengrösse 140 trug.

Es war das letzte mal,. dass wir sie sahen. Sonne fiel durch das Blattzeug des Baumes und warf grünliche Schatten spielerisch auf das Bild der beiden.

Als ich gegen Abend zur Bank trat, klebte dort ein Brief:

Liebe unbekannte freundliche fremde Freunde,

sehr traurig bin ich, dass wir diese Bank nun für immer verlassen müssen, weil sie ein bisschen auch zu unserem Zuhause gehörte.

Meine Frau lässt sich von mir scheiden und wir ziehen in eine andere Stadt. Ich bin sehr traurig und weiß noch gar nicht, wie es weitergehen wird.

Aber Sie sollen wissen, dass wir diese Bank nie vergessen werden. Vielen Dank!

Vater und Sohn

Daneben lag ein dicker Bund von Gänseblümchen, zusammengehalten von einem Zwirnsfaden.

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